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Experten-Tipp: Was tun bei Neurodermitis?

Hilfreiche Tipps für eine entspannte, geschmeidige Haut

19. September 2016

Sich in der eigenen Haut wohlzufühlen ist nicht für jeden selbstverständlich. So leiden Millionen von Menschen an Neurodermitis. Zwar ist die Hauterkrankung nicht heilbar, doch mit der richtigen Pflege können auch Betroffene eine entspannte und geschmeidige Haut haben. Anna Tersteeg, Kosmetologin aus Münster, verrät die besten Tipps.

Was ist eigentlich eine Neurodermitis und an welchen Symptomen erkennt man sie?

Anna Tersteeg: Neurodermitis oder auch atopische Dermatitis ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft. Ursache ist ein Barriereschaden der Haut, der mit einem Mangel an Lipiden (Fetten) und Feuchtigkeit sowie einem erhöhten pH-Wert einhergeht. Die Neurodermitis ist neben allergischem Asthma und Heuschnupfen Teil des atopischen Formenkreises. Der Begriff „Atopie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „am falschen Ort“ und beschreibt dabei die Neigung der Haut oder Schleimhäute gegenüber Reizen mit einer erhöhten Empfindlichkeit zu reagieren.  

Wodurch kann sich der Hautzustand bei einer Neurodermitis verschlechtern?

Anna Tersteeg: Die Liste der möglichen Einflussfaktoren ist lang und besteht sowohl aus endogenen, also von innen kommenden Faktoren, als auch aus exogenen Faktoren, die von außen kommen. Gerade die exogenen Faktoren können aber gut beeinflusst werden, sodass einer Verschlechterung des Hautzustands vorgebeugt werden kann. Beispielsweise führen mechanische Reize wie eine Rasur oder auch ein grober Wollpulli zu einem Barriereschaden, indem die Hautoberfläche stark beansprucht wird und so Schuppen und Rötungen entstehen. Auch der Wechsel zwischen extremen Temperaturen wie der kalten Außentemperatur und der warmen, trockenen Heizungsluft im Inneren bedeutet eine Belastung für die Haut. Gerade in den kalten Monaten sollte die Haut daher ausreichend geschützt sein. Darüber hinaus sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, um die Feuchtigkeitsdepots der Haut von innen aufzufüllen.

Ein starker Juckreiz ist für diese Hauterkrankung typisch. Lässt sich diese Missempfindung mindern?

Anna Tersteeg: Der Juckreiz wird in vielen Fällen durch den Barriereschaden der Haut ausgelöst, der mit einem Mangel an Feuchtigkeit und Lipiden einhergeht. Dieser kann aber durch juckreizstillende Pflege gemindert werden. Wirksam sind hier vor allem lokalanästhetisch wirkende Substanzen wie Polidocanol als Bestandteil einer Pflegecreme, die zugleich kühlt und die Haut mit Feuchtigkeit versorgt. Die juckreizstillende Wirkung hält dann mehrere Stunden und trägt so zur Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen bei. Diese Pflegeprodukte sind vor allem einzusetzen, um den Juckreizkreislauf zu unterbrechen. Für eine Langzeitanwendung sind sie nicht geeignet.   

Wieso können Betroffene in einen sogenannten Teufelskreis geraten?

Anna Tersteeg: Der durch die trockene, barrieregeschädigte Haut ausgelöste Juckreiz veranlasst die Betroffenen häufig dazu zu kratzen. In vielen Fällen geschieht dies in der Nacht und damit sehr unbewusst.
 
Durch das Kratzen mit den Fingern gelangen Bakterien in die Haut. Durch die ohnehin geschädigte Hautbarriere können diese nun ungehindert eindringen und rufen häufig Entzündungserscheinungen oder Infektionen hervor, die zu einem Ekzemschub und damit zu einer Verschlechterung des Hautbildes führen. Die Haut zeigt sich dann besonders trocken, gerötet und empfindlich. Das unwohle Gefühl in der Haut veranlasst die Betroffenen dann wieder zum Kratzen, sodass es sehr schwierig ist, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. 

Häufiger Wasserkontakt wirkt sich negativ auf Haut mit Neurodermitis-Neigung aus. Was sollte man daher bei der Reinigung beachten? 

Anna Tersteeg: Der häufige Kontakt mit Wasser führt zu einer Austrocknung der Haut sowie der Erhöhung des pH-Wertes der Hautoberfläche. Für den Körper eignen sich daher besonders milde, seifenfreie Reinigungsprodukte. Diese wirken rückfettend, stärken den Säureschutzmantel und beruhigen irritierte Haut. Die Haut sollte anschließend nur sanft trocken getupft werden, um sie nicht zusätzlich zu reizen.
 
Für die Reinigung der sensiblen Gesichtshaut eignet sich ein milder Schaum. Dieser bringt die Haut ins Gleichgewicht und optimiert die Widerstandsfähigkeit der Haut. Pflanzliche Extrakte wirken gegen Rötungen.

Alternativ ist eine rückfettende Reinigungsmilch zu empfehlen. Sie unterstützt die Regeneration des Hydrolipidfilms, erhöht die Geschmeidigkeit der Haut und spendet Feuchtigkeit. 

Die Reinigung des Gesichtes sollte immer mit einem hydratisierenden Gesichtswasser abgeschlossen werden. Wirkstoffe wie Hamamelis oder Panthenol beruhigen irritierte Haut. Gleichzeitig wird der pH-Wert der Hautoberfläche reguliert und damit der Säureschutzmantel gestärkt. 

Welche Bedeutung kommt der Pflege bei der Behandlung zu?

Anna Tersteeg: Die Pflege der Haut kann als Basis der Behandlung bei Neurodermitis angesehen werden. Die richtige, auf den Hauttyp abgestimmte Reinigung und Pflege kann zur Stabilisierung des Hautbildes führen und sollte somit fester Bestandteil jeder Neurodermitis-Behandlung sein.
  
Ziel der Pflege ist der Ausgleich der Feuchtigkeitsdepots, die Versorgung der Haut mit Fetten, die Einstellung eines gesunden pH-Wertes und so die Stärkung der Barriere der Haut. Zusätzlich können Trockenheitsschuppen geglättet werden, die Haut beruhigt und ihre Widerstandsfähigkeit erhöht werden. 

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