Neue Studie: Ist eine glutenfreie Ernährung gesund?

Der große Gluten-Irrtum

30. Juni 2017

Cornflakes, Brot, Müsli-Riegel - immer mehr Lebensmittel werden ohne den Getreidestoff angeboten. Aber: Ist glutenfreie Ernährung wirklich gesund?

Um Himmels willen, bloß kein Gluten! Aus Angst vor Darmbeschwerden und Übergewicht verzichten viele auf glutenhaltige Nahrungsmittel. Der Stoff ist ein spezieller Eiweißkleber, der in Getreide wie Weizen, Roggen, Hafer und Dinkel vorkommt. Viele Hollywood-Stars schwören auf eine glutenfreie Ernährung. Gesund ist diese aber gar nicht unbedingt, wie eine US-Studie ergab: Diese Art der Ernährung nützt gar nichts. Im Gegenteil kann sie sogar schädlich fürs Herz sein.

Der Verzicht auf Getreide-Produkte ist nicht gesund 

Denn wer auf Getreide verzichtet, entsagt auch vielen wichtigen und gesunden Inhaltsstoffen. Das haben die Forscher bei ihren Probanden beobachtet. Und das wirkt sich auch auf die Herzgesundheit aus. Denn die B-Vitamine aus Vollkorn schützen das Herz. Außerdem fehlen dann die Ballaststoffe, die so wichtig für die Darmgesundheit sind. Sie regulieren die Darmtätigkeit und lassen den Blutzuckerspiegel langsam ansteigen. Zudem enthält Getreide wichtige Polyamine wie zum Beispiel Weizenkeimöl.

Kinder sollten unbedingt von allem etwas essen

Gluten ist natürlich schädlich für Menschen mit Zöliakie. Aber durch populäre Diätbücher glauben viele Menschen, dass eine glutenfreie Ernährung gesund für jeden ist. Kinder ebenfalls glutenfrei zu ernähren, kann für den Nachwuchs nicht nur einschränkend, sondern sogar gefährlich werden. Ernährungsexperten empfehlen, dass Kinder wirklich von allem etwas essen sollten, auch Fleisch und geringe Mengen Zucker. Denn mit jeder Verkleinerung des Speiseplans verkleinert sich auch die Vielfalt der Darmflora. Und das hinwiederum ist ein Risikofaktor für die Entstehung von vielen anderen Erkrankungen. Der menschliche Körper reagiert komplex Ein Abklingen des Glutenfrei-Trends ist bisher nicht abzusehen. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass oft über Tierversuche berichtet wird, in denen Gluten schädliche Wirkungen zeigt. Aber Ergebnisse aus Tierversuchen sind nicht einfach zu übertragen. Der menschliche Körper reagiert in vielen Fällen anders und auch komplexer.

Lebensmittel-Unverträglichkeiten: Was ist Zöliakie?

In Deutschland leiden 0,5 Prozent der Bevölkerung unter Zöliakie, europaweit sind etwa ein Prozent betroffen. Diese Patienten vertragen Gluten tatsächlich nicht: Das Klebereiweiß löst bei ihnen eine Entzündung des Dünndarms aus. Nährstoffe können nicht mehr aufgenommen werden. Begleitet wird die Entzündung von teilweise heftigen Darmbeschwerden und Blähungen. Osteoporose und Blutarmut können mögliche Folgen sein. Eine abgeschwächte Form der Zöliakie ist eine Weizenallergie. Patienten mit Zöliakie hilft nur der strikte Verzicht auf glutenhaltige Nahrung. Gesunde Menschen vertragen das Eiweiß gut.

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