Gesunde Gelenke 40+: So bleiben Sie beweglich!

Die wichtigsten Experten-Tipps zum Thema

Sie sind ein wahres Wunderwerk, und ohne sie sind wir steif wie ein Brett: unsere Gelenke. Sie bilden die Verbindungsstellen zwischen zwei Knochen. Und wehe, sie gehen kaputt – dann funktioniert gar nichts mehr. Aber Sie können eine Menge dafür tun, dass das nicht passiert. Was tut ihnen gut, und wie kann man sie vor Verschleiß schützen? Von Vorsorge über schonenden Sport bis zu neuen Therapien - Dr. Reinhard Schneiderhan beantwortet die wichtigsten Fragen rund ums Thema gesunde Gelenke 40+.

Wie kann man seine Gelenke schützen?

„Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren fördern die Regeneration der Gelenke. Denn das regt die Durchblutung an und baut gleichzeitig auf schonende Art Muskeln auf.“

Stimmt es, dass Joggen die Gelenke kaputt macht?

„Jein. Grundsätzlich zählt Bewegung zu den gesundheitsfördernden Maßnahmen – auch für die Gelenke. Trotzdem kann Joggen den Gelenken schaden, wenn nicht auf folgende drei Faktoren geachtet wird: die richtige Technik, das optimale Schuhwerk und ein nicht zu harter Untergrund. Zu große Schritte zum Beispiel üben unnötig viel Druck auf die Gelenke aus. Ganz wichtig sind auch die richtigen Schuhe zum Abfedern. Mein Rat an alle Jogger: Lassen Sie sich beim Schuhkauf von einem Fachmann beraten, und gönnen Sie sich und Ihren Gelenken ein professionelles Lauftraining.“

Was genau ist denn die Krankheit Arthrose?

„Um Arme, Beine und Rumpf uneingeschränkt zu bewegen, benötigt unser Körper flexible Verbindungselemente wie Knie- oder Hüftgelenke. Damit die Knochenenden nicht direkt aufeinanderreiben, befindet sich an den Kontaktstellen Knorpelmasse. Diese Pufferzone schützt die Knochen bei jeder Bewegung. Im Lauf des Lebens nutzen sie sich jedoch ab, die Knorpelschicht verringert sich. Kommt es dann aus verschiedenen Gründen zu einem unnatürlich starken Verschleiß und zu massiven Knorpelschäden, sprechen Experten von Arthrose.“

Welches ist die beste Sportart für die Gelenke?

„Weil beim Radfahren ein Großteil des eigenen Gewichts auf dem Sattel ruht, fällt die Belastung für die Gelenke viel geringer aus als beispielsweise beim Joggen. Auch Schwimmen gilt als besonders sanfte Sportart, da das Wasser etwa neun Zehntel des Körpers trägt.“ 

Ist Gelenkverschleiß eigentlich programmiert?

„Das Alter spielt natürlich eine Rolle. Aber Übergewicht, Bewegungsmangel, Extremsport und unfall- oder genetisch bedingte Fehlstellungen wie O-Beine gehören zu den Hauptursachen.“

Kann ich diesem Verschleiß irgendwie vorbeugen?

„Regelmäßiger Sport trainiert die Gelenkmuskulatur und fördert die Durchblutung. Mit einer gesunden Ernährung vermeiden Risikopatienten Übergewicht, das ständigen Druck auf die Knochen ausübt.“

Können sich die Gelenke regenerieren?

„Ist ein Knorpelschaden schon da, so kann nach derzeitigem Wissen nur ein Fortschreiten des Knorpelverschleißes verhindert werden. Ein Wiederaufbau ist noch nicht möglich. Zu den wenigen Ausnahmen gehört die Anzüchtung von körpereigenem Knorpelgewebe, das dann in den Körper gepflanzt wird. Darauf greifen Ärzte aber nur in extremen Fällen zurück.“

Was halten Sie von einer Gelenkspiegelung mit OP?

„Die so genannte Arthroskopie als bildgebende Unterstützung zur Arthroskopischen Operation hat ihren besonderen Stellenwert bei der Behandlung von Knorpelschäden und freien Gelenkkörpern und ist durchaus sinnvoll.“

Hilft eine Hyaluronspritze bei Gelenkproblemen?

„Biochemisch hergestelltes Hyaluron als Schmiermittel funktioniert so gut wie körpereigene Hyaluronsäure. Es werden hier insbesondere bei geringeren Knorpelschäden überwiegend gute Ergebnisse erzielt.“

Was halten Sie von Mitteln wie Quarkwickel?

„Sehr viel. Besonders bei akuten Reizzuständen wie Schwellungen helfen Hausmittel wie Quarkwickel, Eisauflagen und Hochlegen.“

Wann empfehlen Sie ein künstliches Gelenk?

„Nur bei sehr fortgeschrittenem Gelenkverschleiß und bei einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. Aber auch erst dann, wenn die konservativen Therapien wie Krankengymnastik zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führen konnten.“

Darauf sollten Sie besser verzichten

Veranlagung ist leider eine Ursache für Arthrose. Allerdings gibt es einige Gewohnheiten, die den Knorpelabrieb beschleunigen. Die können wir ändern. 

Bewegungsmangel 

Bewegung führt dem Gewebe Nährstoffe zu. Das funktioniert so: Bei Belastung mischt sich Flüssigkeit aus dem Knorpel mit Flüssigkeit aus der Gelenkkapsel, sie ist reich an Nährstoffen. Bei Entlastung saugt der Knorpel die gehaltvolle Flüssigkeit wie ein Schwamm dann wieder auf. Es gibt auch flüssiges Kollagen für die Gelenke (z. B. „CH-alpha-Plus“, Apotheke). 

Überlastung

Ein Beispiel ist das so genannte „Runner’s Knee“ bei Überehrgeizigen oder ungeübten Läufern. Durch die Überlastung entzünden sich Muskeln und Sehnen. 

Übergewicht 

Die vielen Kilos drücken auf Knie- und Sprunggelenke. Hohe Absätze regelmäßiges Tragen von Highheels erhöht das Arthrose-Risiko. Am besten sind Absätze von drei Zentimetern Höhe.