Ewige Treue? Nicht mit mir!

4 Geschichten über neue Beziehungswege in der Partnerschaft

Seufz...Ganz tief im Herzen sehnt sich der Großteil der Deutschen eigentlich nur nach einem: der ewigen Liebe. In der Realität ist dieser Wunsch allerdings etwas widersprüchlich. Wir streben heute mehr denn je nach Individualität und Selbstbestimmung – auch innerhalb einer Partnerschaft. Zudem leben wir in einer schnelllebigen Gesellschaft, in der Flexibilität und Veränderungen Priorität haben. Das hat großen Einfluss auf unser Beziehungsleben. Lesen Sie unsere vier Geschichten von Erlebnissen und neuen Entscheidungen!

Marie (31) aus Lüneburg

„Etwas Verbindliches ist nichts für mich“, „Ich lebe das Beste aus beiden Welten“, sagt Marie. Sie ist ein so genannter „Mingle“. Der Trendbegriff setzt sich aus den Wörtern „Single“ und „mixed“ zusammen. Was das bedeutet? Marie ist in einer Halbbeziehung. Sie hat einen Freund, mit dem sie sich regelmäßig trifft. Sie schlafen miteinander, gehen ins Kino oder auf Partys – und sind doch kein Paar. Wenn sie einander nicht sehen, haben sie weitere unverbindliche Dates. „Wichtig ist, dass man ehrlich darüber redet und beiden klar ist, dass es sich nicht um eine feste Beziehung handelt.“

Ich lebe das Beste aus beiden Welten.

Was Marie so gut an ihrem Mingle-Dasein gefällt? „Ich genieße Nähe, wenn ich sie brauche, muss mich gleichzeitig aber nicht mit Beziehungsthemen quälen, sondern bin frei. Ich habe aus berufichen Gründen gar keine Zeit für etwas Festes – zumindest momentan nicht.“

Stefan (34) und Sophia (35) aus München

„Wir bleiben zusammen – wegen unserer Tochter“ „Am Anfang waren wir sehr verliebt“, erzählt Sophia. Sie und Stefan lernen sich 2012 über den gemeinsamen Freundeskreis kennen. Beide ziehen schnell zusammen. Sie gehen oft aus und reisen viel. „Wir waren nicht nur ein Paar, sondern beste Freunde.“ Die Situation ändert sich, als Daniela 2014 auf die Welt kommt.

Wir bleiben zusammen – wegen unserer Tochter

Während Sophia in ihrer Rolle als Mutter aufgeht, steht bei Stefan ein Jobwechsel an. Er arbeitet viel, ist selten zu Hause. Beide kümmern sich liebevoll um ihre Tochter, aber als Paar unternehmen sie gar nichts mehr zusammen. Schließlich kommt es zum klärenden Gespräch. „Wir haben gemerkt, dass wir uns schon noch mögen, aber die Liebe sich irgendwie verüchtigt hat.“ Trennen wollen sich die beiden aber vorerst trotzdem nicht – vor allem wegen Daniela. Sie möchten ihr eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen. Aber es gibt auch einen praktischen Grund für die Entscheidung: Zwei vernünftige Wohnungen könnten sie sich in München momentan gar nicht leisten.

Andrea (45) und Thorsten (47) aus Erfurt

„Die offene Ehe löste unsere Krise“ „Die Vorstellung, unsere Beziehung zu öffnen, fan ich zuerst ziemlich bizarr“, so Andrea. Sie ist mit Thorsten seit zwölf Jahren verheiratet. Eigentlich sind sie glücklich, doch auf der sexuellen Ebene sind sie sich nicht immer einig. Andrea verspürt die Lust viel seltener als ihr Ehemann. Ein Gefühl, das sich nach der Geburt der beiden Kinder noch verstärkt. Ihrer Liebe sind sich beide sicher, trotzdem ist die Stimmung häu g angespannt. „Ich habe dann manchmal mit ihm geschlafen, nur damit es wieder harmonischer wird.“
Dass die Situation so nicht weitergehen kann, ist beiden mehr als bewusst.

Die offene Ehe löste unsere Krise!

Schließlich spricht Thorsten zögernd das Thema offene Beziehung an. Nach langer Überlegung und Diskussion willigt Andrea in den Vorschlag ein. Sie legen genau Regeln fest, welche Freiräume Thorsten sich nehmen darf. Allzu genaue Details seiner Begegnungen möchte Andrea aber trotzdem nicht wissen. Ob sie eifersüchtig ist? „Ein wenig, aber inzwischen kann ich besser damit umgehen. Wichtig ist, im Austausch miteinander zu bleiben.“

Bettina (48) aus Dillenburg

„Heiraten? Kommt nicht mehr infrage!“ „Einmal und nie wieder“, betont Bettina und hebt beschwörend die Hände. 15 Jahre lang war sie verheiratet, die erste Zeit sehr glücklich. „Ich war mir sicher: Er ist die Liebe meines Lebens.“ Sie kaufen zusammen ein Reihenhaus mit Garten, bekommen zwei Kinder. Doch über die Jahre wird das Liebesglück immer mehr überschattet. „Er hat immer mehr Zeit im Büro verbracht als zu Hause.“ Bettina fühlt sich vernachlässigt. Ungeliebt. Auch die gemeinsamen Interessen driften auseinander. „Wir hatten wirklich nichts mehr gemeinsam.“ Wenn beide sich nicht aus dem Weg gehen, streiten sie fast nur.

Heiraten? Kommt nie mehr infrage!

Als ihr Mann die Scheidung einreicht, trifft es Bettina trotzdem hart. „Ab da war alles ein elender Kampf.“ Die Scheidung kostet sie Nerven und Zeit und vor allem viel Geld. Dazu der Streit um das Sorgerecht für die beiden Kinder. Als ihre Scheidung schließlich durch ist, fühlt sich Bettina ausgelaugt und elend, fasst aber auch eine Entscheidung: Noch mal heiraten ist für sie keine Option mehr. „Natürlich will ich nicht ewig Single bleiben, aber ich denke inzwischen, dass man nicht auf Dauer mit demselben Partner wirklich glücklich sein kann.“

Der Idee für mich-Podcast zum Thema:

Hören Sie auch unseren Podcast zu den Themen „Krankhafte Eifersucht“ und „Offene Beziehung".

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