Keine Lust mit Regelschmerzen?

Woran es liegt und was man tun kann

Sex ist toll. Er entspannt, bringt uns näher oder ist einfach nur geil. Aber an manchen Tagen im Monat macht er einfach keinen Spaß.

•    Bei den einen ist das die Zeit um den Monatsabschluss herum, wenn im Büro so unglaublich viel zu tun ist. Dann sind sie gestresst.
•    Bei den anderen ist das der Moment, ab dem auf dem Konto kein Geld mehr ist. Dann sind sie voller Sorgen. Auch die nehmen die Lust.
•    Und bei so mancher Frau ist es die Zeit der Menstruation. Dann nämlich, wenn die Regel mit Schmerzen verbunden ist. Denn Schmerzen sind ebenfalls wenig lustfördernd.

Nun kann Sex uns hier auch entspannen und ein Orgasmus die verkrampften Muskeln lösen. Aber manchmal tut es einfach nur weh und wir wollen uns unter die Bettdecke kuscheln und die Welt um uns herum vergessen. Besonders blöd ist es dann, wenn uns jemand sagt, wir sollen uns doch nicht so anstellen, so schlimm kann das doch nicht sein. Doch, kann es. In unserem Schmerzempfinden sind wir nun einmal alle unterschiedlich.

Regelschmerzen sind sogar ein medizinisches Phänomen und tragen den unaussprechlichen Namen Dysmenorrhoe. Was steckt aber dahinter, wenn Frauen einmal im Monat so leiden?

Wozu brauchen wir die Menstruation eigentlich?

Um die Regel winden sich zahlreiche Mythen:

•    Frauen seien in dieser Zeit unrein, hieß es früher und heißt es mancherorts heute noch.
•    Frauen verderben frische Milch und können keine Sahne schlagen. Schon mal ausprobiert? Und was ist passiert? Nichts natürlich. Die Sahne steht.
•    Menstruierende Frauen können übrigens auch dem Hackfleisch nichts anhaben.
•    Und Periodenblut ist auch nicht giftig!
•    Frauen dürfen in dieser Zeit auch jede Menge Sport treiben. Beim Schwimmen sollten sie allerdings darauf achten, dass das Blut nicht ins Schwimmbecken gerät.

An den Vorurteilen ist also gar nichts dran. Trotzdem würde so manche Frau aus ganz praktischen Gründen gern auf ihre Tage verzichten. Und einige schaffen das auch, indem sie die Natur mit hormonellen Verhütungsmitteln austricksen. Andere verlieren ihre Gebärmutter vorzeitig.

Und irgendwann kommen wir alle in die Wechseljahre. Das wiederum haut so manche Frau von den Füßen. Keine Menstruation, keine Fruchtbarkeit. Viele Frauen verbinden ihre Weiblichkeit und ihr Frausein aber gerade mit der Möglichkeit, Kinder zu bekommen. Ob es sich nun um einen akuten Wunsch handelt oder nicht, es geht schlichtweg um die Möglichkeit. Und dafür brauchen wir die Menstruation. Denn sie ist nun einmal ein Teil des monatlichen Zyklus, der sich um das Ei und die Befruchtung dreht. Immer wieder, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

Woher kommen die Schmerzen?

Als Beginn des Zyklus gilt der erste Tag der Regelblutung. Tag Eins. Das macht Sinn, denn dieser ist ja nicht zu übersehen bzw. zu ignorieren. Das ist auch der Tag, an dem wir mit der ersten Pille anfangen.

Die im letzten Zyklus aufgebaute Schleimhaut wird von der Gebärmutter abgestoßen und im neuen Zyklus wieder aufgebaut. Wäre das Ei befruchtet worden, hätte es sich hier eingenistet. Hat es aber offensichtlich nicht. Deshalb atmen auch Millionen Frauen an diesem ersten Tag auf. Nicht schwanger, Glück gehabt. Für andere hingegen ist es ein sehr trauriger Tag. Nicht schwanger, wie schade. Des einen Freud, des anderen Leid.

Das Abstoßen der unbewohnten Schleimhaut führt nun zu den Schmerzen.

•    Die Gebärmuttermuskulatur verkrampft sich und schiebt damit all das jetzt Überflüssige aus sich heraus.
•    Dabei kann auch der Darm in Mitleidenschaft gezogen werden. Manche Frauen spüren die Beschwerden hier sogar zuerst.
•    Auch Übelkeit, Kopf– und Rückenschmerzen sind einigen unter Ihnen sicherlich bekannt.

Es kann sein, dass diese Schmerzen von der ersten Regelblutung an auftreten. Dann gehören sie für Sie dazu und bleiben Ihnen vermutlich auch bis zu den Wechseljahren erhalten. Dahinter stecken aber keine besonderen Erkrankungen. Immerhin.

Regelschmerzen als Zeichen für eine Erkrankung

Anders kann das sein, wenn die Probleme erst später auftreten. Dann sollten Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber sprechen. Bei vielen Frauen bilden sich im Laufe der Zeit Myome. Das sind gutartige Geschwulste an der Gebärmutterwand. Die tun nichts, bis sie irgendwann zu groß sind. Dann können sie zu Unannehmlichkeiten beim Sex und eben auch während der Regel führen. Dasselbe gilt für Polypen, die sich ebenfalls entwickeln können. Frauen, die schwanger werden wollen, sollten sich in diesem Fall mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin beraten.

Krebstumore am Gebärmutterhals oder an den Eierstöcken sind hingegen unbedingt behandlungsbedürftig. Leider werden sie manchmal erst erkannt, wenn sie eben diese Beschwerden verursachen. Eine in diesem Zusammenhang häufig auftretende Erkrankung ist die Endometriose. Hierbei befindet sich die Gebärmutterschleimhaut im Bauchraum und verursacht die zyklischen Beschwerden. Und dann haben wir noch Scheideninfektionen mit chronischen Eileiterentzündungen. Also, wenn die Schmerzen plötzlich auftreten, ab in die Arztpraxis!

Was hilft gegen die Beschwerden?

•    Schmerzmittel. Krampflösende am besten. Diese nehmen Sie ja nicht dauerhaft, sondern nur an vielleicht ein oder zwei Tagen im Monat. Lassen Sie sich in der Praxis oder in der Apotheke beraten, welches Präparat sinnvoll ist.
•    Eine dauerhafte Lösung bieten Hormonpräparate wie die Pille.
•    Manche Frauen klagen über Probleme in Verbindung mit der Spirale. In dem Fall wäre es eine Überlegung, auf ein besser verträgliches Produkt zu wechseln. Mittlerweile gibt es Minispiralen oder die Kupferkette.

Aber es geht auch ohne Medizin:

•    Eine Wärmflasche entspannt und vermittelt gleichzeitig ein wohliges warmes Gefühl.
•    Vielleicht hilft Ihnen eher etwas Ruhiges wie Yoga oder ein ausgedehnter Spaziergang. Bewegung wird Ihnen gut tun und gleichzeitig Ihr Gemüt aufheitern.
•    Akupunktur und Akupressur werden ebenfalls empfohlen. Letzteres können Sie selber machen, indem Sie eine Hand unterhalb des Bauchnabels legt und Druck ausübt. Das lockert die Muskeln.

Und so richtig gut hilft ein Orgasmus! Der entspannt sowohl die Beckenbodenmuskulatur als auch Ihre Psyche, ob allein oder zu zweit. Und Sie können es ja auch langsam angehen lassen. Lust ist also ein probates Gegenmittel bei Regelschmerzen.

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION