Anzeige

Sex rund um die Schwangerschaft: Was ist wann möglich?

Ratgeber

07. November 2020

Eine Schwangerschaft ist ein ganz besonderes Ereignis im Leben eines Paares. Entweder wird das Kind schon heiß ersehnt oder es entsteht völlig ungeplant mit großem Überraschungseffekt. Für so manches Paar stellt sich die Frage, wie es jetzt mit dem Liebesleben weitergeht. Ist Sex in der Schwangerschaft gut für das Kind? Ja! Denn was den Eltern guttut, spürt auch das Kind. Aber worauf sollte man achten? Und was ist nach der Schwangerschaft? Wann und wie darf es dann weitergehen? Zu diesen Fragen finden Sie im folgenden Beitrag die Antworten.

1. Wenn der Penis grüßt: Sex während der Schwangerschaft 

Juhu, endlich geschafft: Das Baby ist in Arbeit! Und dieses Baby entwickelt sich von einer harmlosen Anhäufung von kleinen Zellen zu einem echten Menschen. Es wächst und wächst, irgendwann bewegt es sich und ist auf dem Ultraschallbild erkennbar. Das Baby hat Arme, Beine, einen kleinen süßen Bauch und vor allem einen Kopf mit Augen. Und genau diese Augen öffnen sich ab der 26. Schwangerschaftswoche und kullern munter herum. Ob sie etwas sehen können? Das wissen wir nicht. Aber so manchen Mann schreckt die Vorstellung, dass das erste, was sein Kind erblicken könnte, der Penis seines Vaters ist. Und natürlich gibt es auch die Befürchtung, dem Kind könnte etwas geschehen, wenn dieser Penis zu tief in die Mutter eindringt. Wie ist das also mit Sex in der Schwangerschaft? Keine Sorge, (fast) alles ist möglich.

Eine perfekte Zeit für orale Freuden

Wenn eine Schwangerschaft unproblematisch verläuft, spricht gar nichts gegen Sex! Und auch nichts gegen den Geschlechtsverkehr, wenn ich mit dieser Bemerkung darauf hinweisen darf, dass Sex mehr ist als ein Penis in der Vagina.  Herrlich entspannend, so ein Cunnilingus. Einfach auf dem Rücken liegen und genießen. Es ist bestimmt ein ganz besonderes Erlebnis, wenn die Partnerin den Liebsten dabei gar nicht mehr über ihren Bauch hinweg sehen kann. Und auch eine werdende Mutter darf sich um den Penis ihres Partners kümmern und ihm orale Freuden verschaffen.

Das Baby ist gut geschützt beim Verkehr

Kommen wir zum Endspurt: Beim Koitus ist das Baby durch das Fruchtwasser vor Verletzungen durch Stöße und Erschütterungen geschützt. Aber welche Stellung ist die Beste? Auf dem Bauch liegend wird es irgendwann im späteren Verlauf der Schwangerschaft ja sehr unbequem. Da bieten sich der Vierfüßlerstand oder das entspannte Liegen auf der Seite an. Dabei kann er seine Arme um die Liebste schlingen und ihr zusätzlich ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln.

Probiert aus, womit Ihr Euch wohlfühlt

Das war die praktische Seite. Kommen wir zu den emotionalen Veränderungen. Während der Schwangerschaft wird das Becken stärker durchblutet. Auch werden die Brustwarzen empfindlicher. Das kann bei manchen Frauen zu einem stärkeren Lustempfinden führen. Andere Frauen wiederum empfinden Berührungen gerade jetzt als unangenehm und entwickeln entsprechend weniger Lust auf Sex. Das ist ganz unterschiedlich und hat auch viel mit der persönlichen Einstellung gegenüber Sex und dem eigenen Körper zu tun. Wer ohnehin nicht so viel Lust hat oder sich mit den immensen körperlichen Veränderungen überfordert fühlt – und das darf man nicht unterschätzen! - ist jetzt noch viel eher gehemmt. Es wäre also sinnvoll, wenn der Partner seine Liebste so gut er kann, unterstützt und ihr zeigt, dass sie auch mit der vorübergehenden Leibesfülle die Königin ist. 

Vorsicht bei sexuell übertragbaren Infektionen

Zwei gesundheitliche Aspekte habe ich noch: Durch den Schleimpfropf, der den Muttermund verschließt, ist eine Infektion des Babys ausgeschlossen. Und hindurchschauen kann ein Baby nicht. Es wird den Penis also nicht sehen, ganz sicher. Leidet einer von beiden Eltern allerdings akut unter einer sexuell übertragbaren Infektion, sollten Kondome benutzt und ein Arzt konsultiert werden. 

Entspannter Sex zur rechten Zeit wirkt geburtseinleitend

Und wer sich sorgt, dass Sperma die Wehen einleiten könne, den will ich auch beruhigen. Zwar enthält die Samenflüssigkeit sogenannte Prostaglandine, die in Form von Zäpfchen, Gel oder Tabletten zur Geburtseinleitung genommen werden. Wenn Mutter und Kind noch nicht geburtsreif sind, kann beim Sex nichts passieren. Aber da entspannte Frauen leichter Wehen bekommen als müde und erschöpfte, könnte entspannter Sex zur rechten Zeit durchaus geburtsfördernd wirken! Da kann es dann auch nur gut tun, wenn der hemmungslose Sex einer Phase des Wohlfühl-Kuschelsex weicht.

 2. Sechs Fakten, die Ihr für den Sex nach der Geburt beachten solltet

Es ist geschafft: Der neue Erdenbürger hat das Licht der Welt erblickt und entzückt seine Eltern wie auch alle anderen, die einen Blick auf das Neugeborene werfen. Aus einem Duo ist ein Trio geworden. Jetzt müssen sich die Eltern auf die völlig veränderten Verhältnisse einstellen:

Sie sind nicht mehr nur ein Liebespaar. Sie sind jetzt erst einmal vor allem Eltern und haben die Verantwortung für das neue Leben. 

Und dieses Leben beschäftigt sie durchgehend den ganzen Tag lang. Zu zweit allein sein war gestern. Die einzige Zeit, in der sie jetzt ihre Zweisamkeit genießen können, sind die Momente, in denen das Baby tief und fest schläft. Vorausgesetzt, beide haben gerade dann Lust auf ein kleines Techtelmechtel, fragen sie sich, wie lange sie damit nach der Geburt warten sollten. Ja, wann dürfen sie wieder durchstarten ins sexuelle Abenteuer?

Sechs Wochen nach der Geburt ist der Körper in der Regel wieder bereit

Bei einer Geburt muss sich das Baby durch den Geburtskanal und somit durch das Becken, die Beckenbodenmuskeln, den Gebärmuttermund und die Vagina hindurchzwängen. Das hört sich anstrengend an? Ist es auch! Alles wird kräftig gedehnt und geweitet und dazu kann dann auch noch ein Dammschnitt oder –riss kommen. Bei knapp jeder dritten Frau, die ihr Kind auf natürlichem Wege geboren hat, wurde 2010 vorsorglich ein Dammschnitt gemacht. Der muss erst einmal verheilen und das kann bis zu sechs Wochen dauern. Ebenso lange kann es auch dauern, bis sich die Gebärmutter wieder zurückgebildet hat. 

Wenn aus der Geliebten eine Mutter wird, betrifft das beide Partner

Allerdings haben wohl auch nur etwa 10 % aller frischgebackenen Eltern in dieser Zeit Lust auf Sex. Zu umwälzend sind die Veränderungen sowohl im ganz normalen Alltag als auch in der Psyche. Sie ist jetzt Mutter und nicht mehr „nur“ Geliebte und er muss verarbeiten, dass aus der bisher lustvoll besetzten Vagina ein Baby herauskam. Das ist gerade auch für die Männer schwierig, die bei der Geburt dabei waren und sich diesen schmerzvollen und nervenaufreibenden Vorgang ganz genau angesehen haben. Es ist also ganz normal, wenn beiden erst einmal die Lust auf Sex vergangen ist.

Rückbildungsgymnastik für die Vagina

Einige Frauen haben nach der Schwangerschaft das Gefühl, ihre Vagina sei weiter als vor der Geburt und sie könnten den Penis ihres Partners nicht mehr so gut spüren. 

 - Das kann daran liegen, dass während der Geburt Muskulatur, Sehnen und Bänder enorm gedehnt werden. 
 - Nach der Geburt wird die Muskulatur der Scheidenwand und des Beckenbodens jedoch von allein wieder fester und kräftiger. 
 - Auch die Vagina selber hat sich bereits kurz nach der Geburt wieder zusammen gezogen. Das hat die Natur schon ganz gut eingerichtet. 

Eine gezielte Rückbildungsgymnastik unterstützt diesen Prozess zusätzlich. Dafür gibt es bestimmte Übungen, die helfen, die Muskulatur von Bauch und Beckenboden wieder zu stärken und das Gewebe zu straffen. Die Angst vor einer „ausgeleierten“ Vagina ist daher unbegründet.

Es muss nicht immer gleich Sex sein

Während der Stillzeit wird die Scheide nicht mehr so feucht. Das liegt am Östrogenmangel. Dadurch kann es beim Koitus zu unangenehmen Reibungen kommen. Keine Panik, das pendelt sich später alles wieder ein! Und währenddessen kann mit zusätzlichem Gleitmittel nachgeholfen werden. 

Aber wer sagt denn, dass es immer gleich Geschlechtsverkehr sein muss? Wie wäre es zuerst mit ein paar Kuscheleinheiten, sinnlichen Berührungen und angenehmen Massagen? Das tut auch den Brüsten gut, die durch das Stillen besonders beansprucht und oft überempfindlich sind. Beide Partner brauchen Zeit, um sich wieder an ihr Liebesleben zu gewöhnen. Und ganz ehrlich, beide ganz allein bestimmen das Tempo, in dem dies geschieht.

Stillen ist keine sichere Verhütungsmethode!

Apropos Stillen: An dieser Stelle habe ich auch noch eine wichtige Information für Sie. Es kursiert das Gerücht, Stillen sei so eine Art Schwangerschaftsverhütung. Und es stimmt auch tatsächlich, dass der erhöhte Prolaktinspiegel hemmend auf den Eisprung wirkt. Gehemmt, aber nicht ausgesetzt! Theoretisch ist eine Schwangerschaft bereits mit der ersten Regel bereits wieder möglich. 

 - Auf der Seite familienplanung.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung steht dazu: „Solange sie ausschließlich und regelmäßig mindestens sechsmal am Tag stillt, nicht zufüttert und auch noch keine Monatsblutung hat, besteht ein hoher, aber dennoch nicht ganz sicherer Empfängnisschutz. Möchte die Frau sicher sein, dass sie nicht erneut schwanger wird, ist also ein geeignetes Verhütungsmittel nötig.“ 

Welches im Einzelfall am Besten geeignet ist, sollte mit dem zuständigen Arzt besprochen werden.

Seelisches Wohlbefinden spielt eine große Rolle

Sobald alle Geburtswunden verheilt sind, kann es mit dem Liebesleben theoretisch wieder losgehen. Einige Paare haben schon vorher erste Versuche gestartet. Andere jedoch brauchen länger Zeit, manchmal bis zu einem Jahr und drüber. Das ist ganz unterschiedlich und hat sehr viel mit der persönlichen Wahrnehmung zu tun. 

 - Die meisten Frauen benötigen länger als die ersten sechs Wochen, bis sie sich auch seelisch wieder bereit für Sex fühlen. 
 - Ihr Körper hat sich hormonell noch nicht wieder umgestellt. Vor allem aber hat er sich in einem sehr kurzen Zeitraum rasant verändert. 
 - Viele Frauen fühlen sich in der Zeit der Rückbildung auch noch nicht wieder attraktiv. 
 - Angst vor Schmerzen und die dauernde Müdigkeit spielen sicherlich auch auf beiden Seiten eine große Rolle. 

Daran sollte ein Paar denken, denn viele Frauen möchten gern wieder für ihren Partner bereit sein. Sie kommen allerdings in einen Konflikt, weil sie sich dafür unter Umständen noch nicht bereit fühlen. Deswegen würde ich dazu raten, es langsam anzugehen. Und damit der Partner diese Lustlosigkeit nicht auf sich bezieht, ist es ganz wichtig, darüber zu sprechen! 

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

Quellen: eltern.de & familienplanung.de