Anzeige

Stöhnen Sie schon oder schweigen Sie noch?

Warum vornehme Zurückhaltung im Bett unsexy ist

Gehören Sie im Bett zu den Stöhnern oder eher zu den stillschweigenden Genießern? Sexualpädagogin Anja Drews meint, Stöhnen ist eine Art von Kommunikation. Wieso die so wichtig für unsere Lust ist, erklärt sie hier.

Manche Menschen sind beim Sex so laut, dass die Wände wackeln. Sie stöhnen, lauter und lauter, sie schreien förmlich, hören sich an wie Hirsche bei der Brunft. Die einen törnt genau das an, sie sind selbstvergessen, Porno-versessen. Sie haben Bilder im Kopf. Ihnen ist egal, was andere denken. Im Gegensatz zu denjenigen, die von solcherlei Geräuschen peinlich berührt sind. Oh Gott, was denken nur die Nachbarn?! Selbst im Hotel sitzen die völlig unbekannten Gäste in den Nebenzimmern wie unsichtbare Zensoren neben dem Bett. Schlimmstes Szenario: Die Schwiegereltern im Nachbarzimmer. Genauso wenig möchten Teenager die Sexgeräusche ihrer Eltern hören. Na ja, meine Eltern hatten natürlich keinen Sex. Eltern haben ja nie Sex. ;-) 

Nun kann man sich in bestimmten Situationen natürlich zusammenreißen. Aber was macht das mit uns, wenn wir keinen Ton von uns geben? Nichts. Kein Stöhnen, keine hörbaren Atemgeräusche? Und wie ist das für den anderen? Vor allem, wenn wir uns immer zurückhalten?

Stöhnen ist auch eine Form der Kommunikation

Wie oben schon deutlich wird, gibt es unterschiedliche Gründe, aus denen wir uns beim Sex zurückhalten: Einerseits kann das Rücksicht auf andere sein, anderseits aber auch Scham. Scham vor dem, was andere denken könnten. Und Scham, uns und dem anderen unsere Lust einzugestehen. Dahinter kann die zumeist unbewusste Auffassung stecken, Lust sei verboten und Sex etwas Schmutziges. Das betrifft besonders häufig Frauen, denen in der Erziehung oft genug genau dieser Eindruck vermittelt wurde. Und solange wir uns diese unbewussten Botschaften nicht bewusst machen, schwelen sie wie kleine Brandherde und hemmen uns. 

Nun ist es aber so, dass gerade Lustgeräusche eine Form der Kommunikation darstellen. Wenn sich ein Partner beim Liebesspiel still verhält, weiß der andere gar nicht, ob das, was gerade passiert, gut ist oder nicht. Es entsteht sozusagen ein Vakuum der Lust. Wenn dann auch noch lustvolle Bewegungen des ganzen Körpers fehlen, haben wir letztendlich keine Verbindung zum anderen. Ist das gut? Oder das? Oder etwas ganz anderes? 

Keiner muss dabei die Darsteller aus den Pornofilmen imitieren. Nein, ganz bestimmt nicht. Es geht nicht darum, so laut wie möglich zu stöhnen. Und schon gar nicht geht es darum, Lust durch Stöhnen vorzutäuschen, nur um dem anderen einen Gefallen zu tun. Es sei denn, Sie möchten den anderen besonders anheizen. Viele Männer und auch Frauen törnt es an, wenn ihnen das laute Stöhnen ihrer Partner anzeigt, wie gut es denen gerade gefällt, was da passiert. Stöhnen geht aber auch leise. Prince macht es uns vor: In „Do Me, Baby“ stöhnt er gegen Ende des Titels so lustvoll, dass zumindest ich fast sehen kann, wie er sich dabei vor Lust windet. Es ist intim und vertraulich. Erregend.

Stöhnen kann man lernen

Stöhnen bedeutet Lust. Stöhnen kann uns aber auch selber Lust machen. Dazu habe ich eine kleine Übung für Sie: 

•    Stellen Sie sich einmal hin. Ganz entspannt, lassen die Arme links und rechts am Körper herunterhängen. 
•    Und jetzt atmen Sie tief ein, so dass sich der Brustkorb hebt und lassen die Luft mit einem leichten Stöhnen ganz aus sich hinaus gleiten, so dass sich die Bauchdecke senkt. 
•    Dabei können Sie die befeuchteten Lippen leicht geöffnet lassen und die Augen schließen. 
•    Aaaaahhhhhhh. Noch einmal. Aaaaahhhhhhh. Und noch einmal. Aaaaahhhhhhh. 
•    Wie fühlt sich das an? 
•    Macht das etwas mit Ihnen?
•    Tut sich etwas in Ihrem Unterleib?
•    Bekommen Sie vielleicht sogar gerade Lust?
•    Jetzt bewegen Sie sich langsam dazu, fließend, räkelnd, genießen Sie Ihre Lust. 

Können Sie sich vorstellen, beim nächsten Liebesspiel ein wenig mehr von sich zu zeigen? Ein ganz leichtes Stöhnen, ein wenig Räkeln. Wie fühlt sich das an? Wie reagiert Ihr Partner oder Ihre Partnerin darauf? Und dann trauen Sie sich beim nächsten Mal vielleicht auch ein wenig mehr. 

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION
 

Themen