Nein sagen lernen: Die besten Tipps für ewige Ja-Sager

Warum es manchmal klüger ist, abzulehnen

Nein sagen? Das fällt uns oft schwer. So sagen wir um des lieben Friedens willen und um andere nicht vor den Kopf zu stoßen, öfter Ja, als es uns eigentlich lieb ist. Es kostet Überwindung, aber in einigen Situationen macht nein sagen das Leben wirklich leichter. Zum Glück kann man das lernen.

Situationen, in denen man einfach nicht ablehnen kann – oder will – kennt jeder. Etwa wenn die Arbeitskollegin fragt, ob man am Wochenende spontan beim Umzug helfen kann, die Klassenlehrerin um einen Kuchen bittet oder der Mann sich erkundigt, ob man schnell noch seine Hemden aus der Reinigung holen kann. „Ja klar“, purzelt oft viel zu schnell automatisch aus uns heraus. Und dann wird uns klar: Eigentlich passt das, was gerade an uns herangetragen wurde, so gar nicht in unsere Pläne. Und wir ärgern uns, dass wir nicht gleich abgelehnt haben. Aber im Nachhinein noch mal absagen? Kann man doch nicht machen. Wir haben Angst vor Ablehnung und den Reaktionen der anderen. Schließlich will jeder gemocht werden. Aber ist wirklich jemand sauer, wenn man ab und zu sagt: „Tut mir leid, das passt mir nicht.“ Nein. Warum fällt uns das Neinsagen also so schwer?

Unsere Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die von anderen

Um beim Beispiel mit der Freundin und ihrem Umzug zu bleiben: Sagen wir ihr ab, fühlen wir uns schlecht. Der Plan, etwa am Wochenende einfach bummeln zu gehen, wirkt gegen ihre Bitte ziemlich egoistisch – auch wenn wir uns darauf gefreut haben. Und natürlich haben wir Angst, dass sie einen nicht mehr mag, wenn wir ablehnen. Stopp! Hilfsbereitschaft in allen Ehren, aber in diesem Fall, einer spontanen Anfrage, darf man eine Grenze ziehen. Warum sollten unsere eigenen Bedürfnisse weniger wichtig sein als die unserer Freundin? Die Auszeit beim Shopping nebst Kaffeetrinken haben wir sehnsüchtig erwartet – das zählt doch auch. Ein Tipp: Wer hin- und hergerissen ist, antwortet nicht sofort, sondern nimmt sich eine Bedenkzeit und entscheidet später, was wirklich Priorität hat.

Freizeit: Ich bin dabei! Ich will auf keinen Fall etwas versäumen

Der Abend mit den Kollegen? Klar doch, es könnte einem ja etwas entgehen. Dabei ist man eigentlich unglaublich müde. Diese Form des Nicht-Nein-sagen-Könnens hat sogar einen Namen: „Fear of missing out“, die Angst, etwas zu verpassen. Manchmal ist es gut, sich noch aufzuraffen, sobald die vermeintlichen Verpflichtungen aber zu Freizeitstress werden, ist Schluss mit lustig. Jeder braucht mal Zeit für sich, um neue Energie zu tanken. Seien Sie ehrlich. Ein „Ich bin heute raus, euch viel Spaß“ ist total in Ordnung. Und mal ehrlich, Abende, an die man sich ewig erinnert, sind wirklich selten.

Partnerschaft: Liebe heißt nicht, alles für den anderen zu tun

„Schatz, sollen wir heute zusammen den Garten umgraben?“ Autsch, jetzt wird ein Nein extra-schwer. Denn er hat das Wort „zusammen“ benutzt, was bedeutet: Er möchte, dass wir zu zweit etwas auf die Beine stellen. Das ist im Prinzip wunderbar. Genau das, was wir alle wollen. Der Kopf rotiert. Mit einem Nein lehnen wir dann ja nicht nur die Gartenarbeit, sondern auch die Zweisamkeit ab, oder? Dabei will man doch, dass alles ganz harmonisch ist ... Stopp! Auch in der Ehe darf sich jeder darum kümmern, dass es ihm gut geht. Sicher kennen Sie Frauen, die nach einer zerbrochenen Partnerschaft sagen: „Aber ich habe immer alles für ihn getan!“ Und was denken Sie? „Hätte sie mal auf ihre Bedürfnisse geachtet und Grenzen gezogen.“ Genau! Natürlich sollte man in der Partnerschaft nicht rigoros Nein sagen. Stehen Sie zu Ihren Wünschen, aber gehen Sie auch auf den Partner zu. Lassen Sie den Schatz graben, Sie helfen dann später beim Pflanzen. Kompromisse sind der Schlüssel zu einer guten Partnerschaft – und Ehrlichkeit.

Kinder: die Meister im ein schlechtes Gewissen machen

Den Kindern einen Wunsch abschlagen – das ist manchmal wirklich schwer. Wer will schon „doof“ und „gemein“ sein oder mit Nichtachtung gestraft werden. Das schlechte Gewissen ist programmiert, man fühlt sich, obwohl das natürlich Quatsch ist, als schlechte Mutter. Natürlich sind Kinder bockig, wenn sie ihren Willen nicht kriegen, aber vielleicht hilft Ihnen dann ja Folgendes: Kinder, die öfter mal ein Nein hören und es akzeptieren können, kommen später im Berufsleben und in Beziehungen besser zurecht.

Fremde Erwartungen: Müssen wir die wirklich immer alle erfüllen?

Kennen Sie das? Ihre Mutter ruft an und bittet Sie, mal eben für sie noch etwas einzukaufen. Also laufen Sie schnell zum Supermarkt, bringen die Sachen zu ihr – und lassen dafür den Sport-Kurs sausen. Natürlich, es ist ja Ihre Mutter, das gehört sich so. Frauen lernen von Kindheit an, mitzuhelfen und ausgleichend zu agieren, während Jungs viel häufiger Konflikte austragen dürfen. Quasi ein anerzogenes Helfersyndrom. Das ist für alle Menschen im Umfeld toll – nur nicht für einen selbst. Also: Mama kann auch mal einen Tag warten. Wer macht, was ihm guttut, hat Kraft, um ab und an gern zu helfen.

Job: wieder mal eine Aufgabe für die Kollegen übernehmen?

Wir springen für andere ein, machen mal fix noch einen Extra-Job, der Chef übergibt uns ein dringendes Projekt. Ablehnen? Unmöglich: Wir wollen ja nicht, dass man uns für faul und unkollegial hält. Selbst wenn man selbst so viel um die Ohren, dass man nicht weiß, wie man es schaffen soll. Auch eine Studie beweist: Jeder dritte Arbeitnehmer ist überlastet und macht regelmäßig Überstunden. Das zerrt an Kraft und Nerven. Da hilft nur, auch mal etwas abzulehnen – charmant verpackt. Etwa „Das neue Projekt ist toll. Danke für Ihr Vertrauen. Allerdings muss ich anderes dafür zurückstellen. Wie wären denn da Ihre Prioritäten?“ Klingt schöner als ein rigoroses Nein und beinhaltet auch gleich einen Vorschlag zur Problemlösung. Experten sagen, dass das wichtigste Wort im Geschäftsleben ein Nein ist. Alle Chefs beherrschen das perfekt. Denn es verschafft Respekt.

Die Strategie: dem automatischen Ja den Kampf ansagen – jetzt 

Wenn Sie meinen, zu oft Ja zu sagen, ist es sinnvoll, den Gründen für Nein-Angst auf den Grund zu gehen. Stellen Sie sich in Ruhe z. B. diese Fragen: Welche Erfahrungen habe ich in meiner Familie gemacht? Welche in der Partnerschaft? Gab es Konsequenzen oder Ablehnung? Wenn das oft der Fall war, machen wir oft ein Glaubensmuster daraus. Wir widersprechen dann selten, um Harmonie und Frieden zu bewahren. Langfristig vergessen Sie sich selbst darüber, rücken immer weiter in den Hintergrund und wissen irgendwann nicht mehr, was Ihnen überhaupt guttut. Und das macht krank – körperlich und seelisch. Wollen Sie das? Jetzt Sie: ... !

5 tolle Tipps: Training für ewige Ja-Sager

  1. Von anderen lernen
    Kennen Sie einen Menschen, der charmant, aber bestimmt Nein sagen kann? Beobachten Sie, wie er das macht. Und versuchen Sie es genau so.
  2. Weniger selbstlos sein
    Jeder Mensch ist von Natur aus auch egoistisch – das ist gut so. Nur so konnten wir früher überleben.
  3. Einfach ausprobieren
    Erst mal in unspektakulären Situationen öfter Nein sagen. Möchten Sie für die Tiere spenden? Möchten Sie den Kassenbon? Hat es Ihnen geschmeckt? Einfach Nein. Ohne Begründung, ohne Rechtfertigung.
  4. Auch den Körper nutzen
    Wer still und leise Widerspruch anmeldet, wird leicht überhört. Eine aufrechte Haltung, Kopf schütteln, verschränkte Arme und ein fester Blick verstärken die Botschaft.
  5. Alternativen suchen
    Notieren Sie Sätze, die Sie anstatt Ja sagen könnten. Etwa: Für die Antwort brauche ich ein wenig Bedenkzeit.

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