Ein liebevoller Umgang im Alltag bewirkt Wunder im Liebesleben

Expertin Anja Drews kennt die kleinen Tricks

Sich beim gemeinsamen Frühstück schon hinter der Tageszeitung verstecken? Für Anja Drews ein No Go in einer frischen Beziehung. Und überhaupt sollte das Interesse am Partner nie verloren gehen. Die Diplom-Sexualpädagogin hat jedoch ein paar gute Tipps für einen liebevollen Umgang auch im Alltag.

Ich werde es nie vergessen: Eine neue Liebe nahm keinen guten Anfang. Wir frühstückten bei ihm zuhause das erste Mal zusammen. Für das leibliche Wohl war ausreichend gesorgt. Aber dann verschwand mein neuer Freund doch tatsächlich hinter seiner Tageszeitung! Und er kam auch nicht freiwillig wieder hervor. 

Erst als ich anfing, unzufrieden herumzunörgeln, senkte sich die Zeitung und ein erstaunter Blick traf mich: „Aber das mache ich jeden Morgen so!“ Echt jetzt? Wenig schlagfertig platzte es aus mir heraus: „Aber doch nicht jetzt?! Mit mir?! Am Anfang unserer Beziehung?!“ Der Tag verlief dann nicht so richtig gut. Und was soll ich sagen, auch der Rest seines Verhaltens war nicht eben von Aufmerksamkeit und Wertschätzung geprägt. „Ich liebe dich“, sagte er recht häufig. Jaja. Das bringt nur nichts, wenn der Umgang miteinander sich anders anfühlt. Die Geschichte nahm ihren Lauf und die Beziehung zwar kein schnelles, dafür aber ein umso holprigeres Ende. 

Wertschätzung können wir auf unterschiedliche Weise zeigen

Worte sind das eine, das Verhalten ist das andere. Wir haben so viele Möglichkeiten, unsere Liebe mit Gesten, einem Lächeln, aufmerksamem Zuhören oder einer Umarmung auch nonverbal zu zeigen. Und gerade dieses Zeigen ist so wichtig. Durch die Wertschätzung fühlen wir uns aufgehoben, akzeptiert und geliebt. Dasselbe gilt übrigens auch für unsere anderen Freundschaften. Auch hier zählen die Gesten. Wenn der Freund oder die Freundin beim Treffen den Blick nicht vom Smartphone abwenden kann und wir ins Leere reden, fühlen wir uns auch nicht gut aufgehoben. Es sei denn, wir sind auf dieselbe Weise beschäftigt. Und damit komme ich auch schon zum ersten Punkt:

1.    Weg mit dem Smartphone: Heute lenkt uns weniger die Zeitung als vielmehr das Smartphone ab. Beim Aufwachen ist es häufig das Erste, auf das wir schauen. Hat jemand an uns gedacht und uns eine Nachricht oder eine Mail geschrieben? Neue Likes auf Facebook? Neuigkeiten in anderen sozialen Netzwerken? Was ist denn mit dem Netzwerk auf dem Kopfkissen direkt neben uns? Später sind wir zum Essen verabredet. Unser Partner oder wir selber gucken alle paar Minuten auf das Display. Es könnte ja etwas Wichtiges sein. Und dann liegen wir beide mit dem Smartphone oder dem Tablet vor der Nase im Bett. Wir stecken in diesen Gewohnheiten fest und merken nicht einmal, dass wir uns dadurch voneinander entfernen.

➢    Hier brauchen wir neue Rituale: Viel schöner wäre es doch, uns in dieser Zeit bewusst mit unserem Partner auszutauschen. Ein liebevolles Aufwachen, ein wenig Aufmerksamkeit, vielleicht ein Liebesspiel. Und wenn wir uns wiedersehen, vereinbaren wir eine Smartphone-freie Zeit. Eine Zeit, in der wir uns gegenseitig vom Tag und von unseren Gefühlen erzählen und uns zuhören. Und vielleicht kommen dabei ja auch erotische Themen zur Sprache.

2.    Lieblingsessen kochen: Ich habe Freunde, für die Kochen ein festes Ritual ist. Sie schwelgen in Kochbüchern und kulinarischen Zeitschriften, kaufen gemeinsam ein, suchen die besten Zutaten aus, schnippeln, marinieren, braten, kochen, backen und schlemmen dann anschließend nach allen Regeln der Kunst, während noch die eine oder andere Flasche Wein geköpft wird. Und sie reden währenddessen miteinander. Als Freundin genieße ich Einladungen zu diesen Abenden sehr. Und auch mir begegnet man dort mit ebenso viel Wertschätzung. 

Bei anderen Paaren ist das Essen eine Notwendigkeit, die noch schnell zwischen Tür und Angel erledigt werden muss. Kochen ist hier eben nicht Passion und so tut es zuweilen auch der Anruf beim Lieferservice. 

➢    Wie wäre es mit einer kleinen Überraschung in Form eines selbstgekochten Lieblingsessens? Wir alle haben doch das eine oder andere Gericht, bei dessen Anblick uns das Wasser im Munde zusammenläuft. Und wenn wir feststellen, dass unser Liebster oder unsere Liebste uns zuliebe geplant, eingekauft und gekocht hat, hüpft unser Herz. Aber wir packen noch eins drauf: Wir decken jetzt noch den Tisch, zünden Kerzen an, öffnen eine Flasche Wein und warten ab, was passiert. Vielleicht ein zärtliches Amuse Gueule zur Einstimmung?

3.    Interesse an den Interessen des anderen zeigen: Manche Paare glucken regelrecht aufeinander. Sie haben gemeinsame Freunde, gemeinsame Interessen und gemeinsame Pärchenkleidung. Andere gehen komplett getrennt ihren Hobbys nach. Und was gibt es da nicht alles! Automobilzeitschriften sammeln, Golf, Segeln, Rudern auf dem Dachboden, Schach, Buddelschiffe, Blumen züchten, Räuchern. Wir wissen von uns selber, welche Befriedigung und Muße wir aus diesen Beschäftigungen ziehen. Allzu oft fehlt unserem Partner nur leider das Verständnis. Manche dieser Hobbys werden toleriert, andere allerdings sogar bekämpft. 

➢    Wie schön fühlt es sich hingegen an, wenn unser Liebster oder unsere Liebste zumindest ein gewisses Maß an Interesse für unsere Herzensangelegenheiten zeigt! Er oder sie muss sich ja nicht gleich kopfüber in dieselben Aktivitäten stürzen. Eine Runde mitzugehen, sich einmal die Regeln erklären zu lassen, zuzuschauen oder einfach nur Gesellschaft zu leisten, sollte aber nicht zu viel verlangt sein. Es macht uns stolz, das zu präsentieren, was wir so gern machen. Und womöglich kommt der oder die andere sogar ins Staunen ob unseres besonderen Könnens.

Das sind nur drei kleine Beispiele. Ich möchte damit verdeutlichen, dass es gar nicht so aufwändig ist, dem oder der anderen unsere Wertschätzung zu zeigen. Aber manchmal sind wir so in unserem Alltagstrott, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, etwas zu ändern. Und dann wundern wir uns am Ende, wo denn die Liebe geblieben ist. Die sollten wir am Leben erhalten. Und Ihnen fallen bestimmt noch viele andere Möglichkeiten ein. Nutzen Sie sie! 

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION