Selbstbefriedigung vor Publikum? Eine heiße Showeinlage!

Wenn der Partner zusehen möchte

Was wünscht er sich? Sie soll es sich selber machen und er schaut zu? Das ist ja unerhört! Sie ist verunsichert. Empört. Erregt. Er hat gesagt, das törne ihn an. Er möchte sehen, wie sie sich vor ihm windet, ihre Lust auskostet und kommt. Aber warum sollte er das wollen? Selbstbefriedigung ist doch etwas, das wir normalerweise im Geheimen mit uns selbst veranstalten. Etwas, bei dem wir uns ja gerade deshalb gehen lassen können, weil uns niemand zuschaut. Und nun will er genau das von ihr. Sie schämt sich. 

Aber warum schämt sie sich? Die Ursachen dafür liegen weit zurück in unserer Lebensgeschichte. Gerade Mädchen oder Frauen haben eher Schwierigkeiten, Erregung überhaupt zuzulassen. Noch immer sind Eltern verunsichert, wenn kleine Kinder sich ganz offensichtlich Lust verschaffen. Bei Mädchen mehr noch als bei Jungen. Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Und ganz schnell heißt es: „Lass das, was sollen denn die anderen denken?“ 

Solche Verbote prägen sich ein. Sie wirken bis in das Erwachsenenalter hinein. Lust zu haben, scheint etwas Unziemliches zu sein. Sich selber Befriedigung zu verschaffen, noch viel mehr. Und dann kommt einer und will genau das sehen. Die intimste Lust überhaupt. Wie sollen wir damit umgehen?

Selbstbefriedigung ist angesagt

Selbstbefriedigung, Onanie, Masturbation, Solo-Sex oder wie auch immer wir es nennen, hat in den letzten Jahren eine Art Renaissance erlebt. Offiziell ist sie heute eine unter vielen sexuellen Praktiken. Würden die Verbote aus der Kindheit nicht immer noch ihre Wirkung zeigen, wäre sie auch inoffiziell schon längst in unseren Schlafzimmern angekommen. Denn Selbstbefriedigung hat durchaus eine Daseinsberechtigung. 

Durch die Auseinandersetzung mit unserem Körper lernen wir uns selber kennen. Wir haben jede Menge Möglichkeiten, uns auszuprobieren:

•    Wir finden heraus, auf welche Berührungen wir reagieren und was uns anmacht. 
•    Wir lernen, wie wir uns bis zum Höhepunkt stimulieren können. 

Ausgefallene oder ganz romantische Fantasien, ausgefeilte Techniken oder auch verschiedene Örtlichkeiten stehen uns zur freien Verfügung. Meist vergnügen wir uns dann aber doch lieber im stillen Kämmerlein. 

Die einen benutzen ihre Finger, die anderen Badewannenumrandungen, Sofalehnen, Kissen, Teddybären, Vibratoren. Kaum ein Haushaltsgegenstand ist sicher vor kreativen Geistern. 

•    Selbstbefriedigung kann ein schnelles Vergnügen sein. Wir spüren Lust, legen Hand an und sind in ein bis zwei Minuten im Paradies der Lüste. 
•    Wir können es auch hinauszögern und uns viel Zeit lassen, wenn wir uns selbst verwöhnen. 

Wir sind geistig und emotional tief in unserem Inneren, verlieren uns in unserer Lust. Wir fühlen uns nicht beobachtet und zensiert. Und nun will da jemand zuschauen. Will uns sehr wohl beobachten und vor allem auch eigene Lust daraus ziehen. Und es kann sehr erotisch sein, dem Partner oder der Partnerin bei genau diesen so intimen Aktivitäten zuzusehen. Daran ist auch gar nichts Ungewöhnliches. Viele törnt genau das so richtig an. Denn dabei kommt der kleine Voyeur in uns zum Vorschein. Vielleicht finden wir auch Spaß daran, uns zu zeigen und wir wecken den versteckten Exhibitionisten in uns. 

Zeigen, was wir mögen

Dem anderen zuzusehen hat aber nicht nur einen reinen Lustcharakter. Dabei können wir auch wieder lernen. Denn von unserer Erfahrung kann auch unser Liebster oder unsere Liebste profitieren. Was macht der oder die andere genau? Wie fest fasst er oder sie sich an, welche Bewegungen werden bevorzugt? Gerade Männer haben häufiger Schwierigkeiten, herauszufinden, wie ihre Partnerin berührt werden möchte. Und die Partnerin wünscht sich womöglich, er werde von allein herausfinden, wie sie es gern mag. Wenn sie es denn selber überhaupt weiß ... Frauen sind in dieser Hinsicht doch etwas komplizierter als Männer. Und sie sind so unglaublich unterschiedlich, was ihre Lust betrifft. Da kann es schon ein Geschenk sein, wenn sie sich ihm offenbart. 

Sich voreinander selber zu befriedigen, ist daher tatsächlich ein gutes Übungsprogramm. Sich damit zum ersten Mal einem Partner oder einer Partnerin zu zeigen, kann schon viel Überwindung kosten. Und es sollte sich auch niemand dazu gezwungen fühlen. An wen so eine Bitte heran getragen wird, darf auch gern erst dem oder der anderen den Vortritt lassen. Wie wäre es also, wenn sie ihn bittet, sich zuerst zu zeigen? Ihm fällt das sicherlich leichter. Und damit wäre der Weg zu einer neuen sexuellen Spielart gebahnt!

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION
 

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