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Sex während der Periode?

Unsere Expertin klärt auf über Vor- und Nachteile

Sex während der Periode ist noch immer ein heikles Thema. Das könnte daran liegen, dass nur wenige Menschen offen darüber sprechen. Unsere Expertin und Diplom-Sexualpädagogin Anja Drews spricht das vermeintliche Tabuthema gewohnt offen an und wägt die Vor- und Nachteile von Sex in der Menstruation ab.

Sex während der Periode – das ist wieder so ein Thema, bei dem sich die Geister scheiden. Während es den einen völlig egal ist, ob Blut fließen könnte, schrecken andere schon vor dem Gedanken daran zurück. Letzteren sei gesagt, dass niemand während der Regel Sex haben MUSS. Wenn Sie sich während dieser Zeit 

•    unwohl, unsauber oder unattraktiv fühlen, 
•    wenn Sie Schmerzen haben, 
•    wenn Sie sich vor dem Blut Ihrer Partnerin ekeln oder Angst um Ihre Bettwäsche haben, 

dann lassen Sie es einfach. Es gibt ja noch jede Menge anderer Tage, an denen Sie sich ungestört vergnügen können. 

Es ist allerdings ein Gerücht, dass Frauen während der Regel keine Lust auf Sex hätten. Das ist individuell ganz unterschiedlich und hat natürlich auch mit der allgemeinen Befindlichkeit und den eben erwähnten Vorbehalten zu tun. Wenn ich mich vor etwas ekel, mich unwohl fühle oder wirklich keine Blutspur an was oder wem auch immer hinterlassen möchte, blockieren diese Gedanken meine Lust. Das klingt nachvollziehbar, oder? Bei anderen Frauen steigt die Lust jetzt gerade besonders an. Und für genau diejenigen, die Lust haben und auch in dieser Zeit nicht auf das Liebesspiel verzichten möchten, habe ich ein paar Informationen.

•    Regelschmerzen

Manche Frauen merken nur wenig von ihrer Regel. Keine Bauch- oder Rückenschmerzen, wenig Blutungen. Dies kann mit der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel zusammenhängen. Andere wiederum leiden regelrecht und fallen sogar regelmäßig für ein oder zwei Tage aus. 

Neben Schmerzmitteln, Wärme oder Entspannungsübungen kann auch ein Orgasmus helfen. Die Kontraktionen entspannen die Muskeln im Beckenboden. Zudem werden schmerzlindernde Endorphine ausgeschüttet. Nun bekommt ja nicht jede Frau einen Orgasmus beim Sex. Aber Sex ohne Orgasmus kann auch entspannen, wenn wir uns bei unserem Partner wohl und aufgehoben fühlen. Wenn gerade kein Partner verfügbar ist, spricht natürlich auch nichts gegen die allseits beliebte Selbstbefriedigung!

•    Tampons

Wichtig ist, dass Sie beim Sex keinen Tampon benutzen. Der muss vorher unbedingt raus. 

•    Erstens ist es für beide eher unangenehm, wenn da so ein harter oder gut gefüllter Watteknäuel im Weg liegt. 
•    Zweitens kann dieser Richtung Muttermund rutschen. 
•    Und drittens müssen Sie ihn hinterher zu fassen bekommen, um ihn dann herauszuziehen. 

Eine Alternative sind Softtampons. Die bestehen aus hygienischem Schaumstoff, sind weich und haben keinen Faden, der unten herausgucken kann. Empfohlen werden sie für Sport, Baden, Sauna und eben Sex. Ein Softtampon ist so anschmiegsam, dass Sie ihn beim Sex vermutlich nicht spüren werden. 

Das Herausholen kann allerdings problematisch werden. Der Softtampon hat zwar eine Lasche zum Herausholen. Die müssen Sie aber auch erst einmal zu fassen bekommen. Wenn der Tampon weit hoch gerutscht ist, gehen Sie am besten in die Hocke und pressen etwas. Dadurch rutscht er Ihren Fingern entgegen.

•    Gerüche

Wir verlernen immer mehr, unsere eigenen Gerüche zu mögen, insbesondere den Intimgeruch. Gerade das höre ich häufiger von Frauen. Am Besten wäre es wohl, unsere Vagina würde nach Rosenblüten duften. Aber dieser besondere Intimgeruch hat eine Funktion. Er soll uns erregen und in Stimmung bringen. Bei Männern klappt das ja auch recht gut. Mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen sind Sie auch während der Menstruation auf der sicheren Seite: 

•    Im Tampon angesammeltes Blut hat einen besonderen Eigengeruch, insbesondere dann, wenn es sich dort zersetzt. Deshalb sollten Sie Ihre Tampons regelmäßig wechseln. 
•    Besser, Sie verwenden gleich Baumwollbinden oder Menstruationstassen
•    Vor dem Sex können Sie duschen. Warmes Wasser reicht, denn übertriebene Hygiene vor allem mit Seife und Waschlotionen ist schädlich für die Scheidenflora. Und wenn Sie schon gerade unter der Dusche stehen, könnten Sie auch gleich hier loslegen!
•    Die Bettwäsche. Ja, wenn die erst einmal eingesaut ist, ist das mit der Wäsche so eine Sache. Wie wäre es denn, wenn Sie gleich ein Handtuch unterlegen? Vielleicht nehmen Sie auch kein helles, sondern lieber gleich ein dunkles Tuch. 

•    Stellungswechsel

Während der Regel kann es sein, dass Sie Ihre Vagina besonders intensiv wahrnehmen. Vielleicht gefällt Ihnen Ihre Lieblingsstellung in dieser Zeit gar nicht so gut, weil der Penis besonders tief eindringt. Oder Sie haben keine Lust auf akrobatische Höchstleistungen, wollen lieber innig mit Ihrem Partner sein? Wie wäre es mit einem Stellungswechsel? 

•    Die Missionarsstellung ermöglicht Ihnen eine Umarmung und ein tiefes in-die-Augen-schauen. 
•    In der Löffelchenstellung können Sie sich an Ihren Partner schmiegen und sich festhalten lassen. 

Reden Sie mit Ihrem Partner über Ihre Gefühle. Es gibt so viele Vorurteile und so viele unterschiedliche Gefühle in dieser Zeit, dass er unmöglich erraten kann, wie es gerade in Ihnen ausschaut.

•    Verhütung 

Dass Sex während der Menstruation sicher sei, glauben nicht wenige Liebeswillige. Zumindest sicher vor Schwangerschaften. Aber das stimmt nicht! Wenn wir uns den Zyklus anschauen, liegen der Eisprung und damit die fruchtbaren Tage zwar um den 14. Tag nach Beginn der letzten Regel. Aber das ist lediglich ein Durchschnittwert, der erheblich schwanken kann. Das Ei selber überlebt nur 24 Stunden. Die Spermien hingegen sind wesentlich zäher und können noch bis zu fünf oder sogar sieben Tage nach ihrem Eintreffen das Ei befruchten. Dazu kommen Zyklusschwankungen. Eine Befruchtung ist unwahrscheinlich, kann aber passieren. Wenn Sie also wirklich sicher gehen wollen, sollten Sie daher auch während der Regel verhüten. 

•    Safer Sex

Safer Sex? Auf jeden Fall! Genauso wenig wie die Regel vor Schwangerschaften schützt, schützt sie vor Krankheitserregern. Ganz im Gegenteil werden diese über das Blut sogar noch leichter übertragen. Zudem ist während der Regel der Muttermund leicht geöffnet, damit das Blut abfließen kann. Dadurch können Krankheitserreger auch leichter aufsteigen. Wer seine SexualpartnerInnen häufiger wechselt, sollte auf jeden Fall auch in dieser Zeit Kondome verwenden.

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

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