Stalking – Die 7 wichtigsten Hilfen für Betroffene

Wenn die Liebe krankhafte Züge annimmt

Von außen betrachtet sieht es nach der großen Liebe aus. Er schreibt ihr Briefe, bringt ihr Geschenke, steht unvermutet vor ihrer Tür, schickt ihr Blumen ins Büro. Vielleicht spricht er sogar mit den Kolleginnen und Kollegen, versucht diese in Nettigkeiten einzuwickeln. „Ach, der ist aber nett“, denken die Kollegen, die Freunde. Mit „Sei doch nicht so, er mag dich offensichtlich sehr gern. Gib ihm doch noch eine Chance!“ wollen sie sie ermuntern. Dass sie aber unter dieser Aufmerksamkeit leidet, dass er in ihre Privatsphäre eindringt und sie zunehmend terrorisiert, das bemerken sie nicht. „Hab’ dich doch nicht so.“

Und genau das ist für viele Stalkingopfer ein großes Problem. Denn sie werden häufig nicht ernstgenommen. Dabei geht Stalking an die Substanz. Oftmals wird beschimpft, beleidigt, gemobbt, verfolgt, schlecht geredet und mit Gewalt gedroht. Auch das Internet wird zunehmend zum Schauplatz von Mobbing und Intrigen. Hierfür gibt es den Begriff Cyberstalking. Die daraus entstehende Hilflosigkeit und die Angst wirken sich enorm auf die Lebensqualität und die psychische Gesundheit aus. Die Auswirkungen posttraumatischer Belastungsstörungen machen sich noch Jahre später in Form von Angstzuständen, Schlafstörungen oder Panikattacken bemerkbar. 

Die Täter können ehemalige Lebenspartner, Bekannte oder auch völlig Fremde sein. Meistens sind es Menschen, die zurückgewiesen wurden oder sich ungerecht behandelt fühlen. Unter den Opfern befinden sich übrigens nicht nur Frauen. Männer haben ebenfalls unter den Attacken zu leiden. Diese sind allerdings mit einem Fünftel deutlich in der Minderzahl. 

Sieben wichtige Schritte auf dem Weg in die Freiheit

Wenn Sie sich selbst belästigt fühlen, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Gegenwehr. Sollten Sie dies in Ihrer Familien-, Freundes- oder Kollegenkreis bei anderen erleben, scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzubieten. Sie können dort informieren und unterstützen. Jede Hilfe ist willkommen!

1.    Sofortiger Kontaktabbruch

Brechen Sie den Kontakt, sofern dieser vorher bestand, sofort ab. Lassen Sie sich auf keinen Fall in Gespräche verwickeln. Wer bereits angefangen hat, jemand anderen zu terrorisieren, ist nicht empfänglich für vernünftige Argumente. Sie können nur verlieren. Wenn der Stalker oder die Stalkerin anruft, nehmen Sie die Gespräche deshalb gar nicht erst entgegen! Konsequenz ist oberstes Gebot. Mit jedem erfolgreichen Telefonat fühlt sich der Täter oder die Täterin in seinem oder ihrem Vorgehen bestätigt. 

Das ist nicht immer einfach. Die Menschen, die Ihnen wichtig sind, haben Sie sicherlich in Ihrem Telefon bereits namentlich abgespeichert. Und wenn gar nichts hilft, dann besorgen Sie sich einen neuen Telefonanschluss oder eine neue Sim-Karte. 

2.    Keine Blumen oder Geschenke annehmen

Familie, Freunde Arbeitskollegen oder Nachbarn können Ihnen auch dabei helfen, wenn Blumen oder andere Geschenke geschickt werden. Denn Sie sind ja nicht immer Zuhause oder im Job am Platz. Dann können Lieferungen hierher zwar ebenfalls dokumentiert, aber gleichzeitig auch abgelehnt werden. In manchen Fällen werden keine Geschenke geschickt, sondern Waren bestellt, die dann der Empfänger bezahlen muss. Erwarten Sie tatsächlich Post, können Sie sich zum Beispiel an einer Packstation anmelden und sich die Sachen dorthin schicken lassen.

3.    Keine Beantwortung von Briefen oder Mails

Das Gleiche gilt für Briefe und Emails. Auch hier gilt es, auf diese nicht einzugehen. Bei Emails können Sie den Absender oder die Absenderin in den Einstellungen Ihres Accounts blockieren. Notfalls müssen Sie sich sogar eine neue Email-Adresse zulegen. Das ist besonders für diejenigen einschneidend, die Telefon und Email beruflich nutzen. Aber alles ist besser, als ständig durch Beschimpfungen oder Beleidigungen aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden. Briefe können Sie mit dem Poststempel auf dem Umschlag aufbewahren, empfangene Emails ausdrucken oder abspeichern. Damit können diese im Rahmen einer polizeilichen Ermittlung als Beweisstücke gelten.

4.    Schlösser austauschen

Manche Stalker verfolgen ihre Opfer bis vor die Haustür oder versuchen gar, in die Wohnung oder das Haus einzudringen. Sollte der Täter oder die Täterin während einer Beziehung einen Schlüssel zu Ihrem Zuhause gehabt haben, sollten Sie die Schlösser austauschen. 

5.    Keine persönlichen Papiere in den Hausmüll 

Achten Sie darauf, was Sie in den Hausmüll werfen! Kontodaten, persönliche oder geschäftliche Korrespondenz sowie alles andere, auf dem Ihr Name steht, sollte anders entsorgt werden. Denn ein Stalker oder eine Stalkerin kann auch hier versuchen, etwas über Sie und Ihr Leben herauszufinden. Auch wenn es manchmal Überwindung kostet oder Sie befürchten, nicht ernstgenommen zu werden: Sprechen Sie mit Ihrem Umfeld über die Ereignisse. Es ist immer wichtig, Unterstützung zu haben. Notfalls haben Sie auch eine Möglichkeit, Schutz zu suchen, wenn die Angriffe überhand nehmen. 

6.    Im Notfall den Notruf wählen

Mittlerweile gibt es eine größere Sensibilität gegenüber dem Thema Stalking. Beratungsstellen und speziell geschulte Polizisten informieren und bieten Hilfestellung an. Wenn Sie gar nicht mehr weiter wissen oder Sie in einer akuten Notsituation befinden, wähle Sie den Notruf 110! Dort können Sie sich auch beraten lassen, ob eine Fangschaltung, eine geheime Telefonnummer oder ähnliches für Sie in Frage kommt. 

7.    Anzeige erstatten

Scheuen Sie sich nicht, Anzeige zu erstatten. Laut der polizeilichen Kriminalprävention zeigt ein „schnelles und konsequentes Einschreiten der Polizei gegen den Stalker Wirkung.“ Die Belästigungen hören nach einer Anzeige häufig tatsächlich auf. Denn dies zeigt dem Täter oder der Täterin nicht nur, dass Sie es ernst meinen. Es macht ihnen auch bewusst, dass ihr Handeln kein Kavaliersdelikt ist, sondern sie gegen geltendes Gesetz verstoßen. Eine einstweilige Verfügung/Schutzanordnung nach dem Gewaltschutzgesetz verbietet es dem Täter oder der Täterin, „sich in einem bestimmten Radius der Wohnung, dem Arbeitsplatz oder anderen möglichen Orten, an denen sich das Opfer aufhält, zu nähern oder sich in einem bestimmten Umkreis aufzuhalten. Außerdem können Kontaktaufnahmen per Telefon, Internet, SMS, Brief, über Dritte usw. untersagt werden.“

Sie entscheiden, was genug ist

Wann eine bestimmte Grenze erreicht ist, entscheiden Sie selbst und niemand anders. Lassen Sie sich da auch nicht hinein reden. Wir sind alle unterschiedlich stark belastbar. Was die einen noch locker wegstecken, versetzt die anderen schon in Panik. Lasse Sie sich helfen und versuchen Sie nicht, die Situation im Alleingang durchzustehen!

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION