Vagusnerv stimulieren: Wie wir lernen, wieder zu entspannen

Hüter unserer inneren Balance

Immer schneller, höher, weiter — kein Wunder, dass wir da ab und zu aus dem Takt geraten. Großen Einfluss auf unser Wohlbefinden hat der Vagusnerv. Wie wir ihn stimulieren und für neue Energie und Gelassenheit aktivieren, lesen Sie hier.

 

Die Welt ganz bewusst mit allen Sinnen wahrnehmen – und in sich ruhen. Im Trubel des Alltags kommt dies oft viel zu kurz. Wir fühlen uns schnell gestresst und können nur schwer abschalten, denken beim Frühstück schon an die To-do-Liste der nächsten Tage und grübeln abends über Vergangenes oder machen uns Sorgen über morgen. Umso wichtiger, regelmäßig in sich hineinzuhorchen und wieder innere Harmonie und Balance zu gewinnen. Dabei hilft uns ein ganz besonderer Schatz: der Vagusnerv.

Seine Kraft nutzen: Was der Vagusnerv für uns tun kann

Der „Nervus Vagus“ ist der 10. Hirnnerv. Vagus ist lateinisch und bedeutet „umherschweifend“. Und tatsächlich breitet er sich fächerartig in unserem Körper aus, besonders großen Einfluss hat er auf Herz, Lunge und Magen-Darm. Er schenkt uns neue Energie, gibt Kraft und Gelassenheit. Lange Zeit dachte man, dass er unwillkürlich wirkt, wir sein Wirken also nicht beeinflussen können. Doch neue Forschungen zeigen jetzt das Gegenteil: Wir können versuchen, ihn gezielt zu aktivieren (z. B. durch Meditation, siehe unten) und dadurch langfristig mehr Ausgeglichenheit spüren. 

Den Rhythmus finden: Wir brauchen Gleichgewicht 

Nein, ganz vermeiden können wir Stress nicht. Und das sollten wir auch gar nicht. „Stress kommt auf, wenn etwas auf dem Spiel steht, das uns viel bedeutet“, sagt zum Beispiel Psychologin Kelly McGonigal. Anders formuliert: Nur was uns am Herzen liegt, kann uns auch nerven. Und ein Leben ganz ohne Stress würde ein Leben ohne Antrieb bedeuten. Doch es kommt eben auf die richtige Dosis an. Und wenn wir merken, dass Stress und Anspannung überwiegen, wird es höchste Zeit, einen Gang runterzuschalten und unseren Rhythmus wiederzufinden – indem wir Verbindung zu unserem Vagusnerv aufnehmen. 

Im Jetzt leben: Die Erfüllung finden wir hier und heute

Auch wenn wir es oft glauben: Erfüllung liegt nicht in der Zukunft, sondern im Jetzt. Wir können uns – und anderen – jeden Tag etwas Gutes tun, bewusst durchatmen und kleine Ruhe-Inseln einbauen, in denen wir neue Kraft tanken können. Wenn unser Vagusnerv solche Signale (mit dem Wunsch nach Stille und Frieden) empfängt, gibt er sie an unseren gesamten Körper weiter, unser Stresspegel sinkt. Wir spüren, wie uns neue Energie durchfließt. 

Sorgen verabschieden: Unsere Probleme aktiv loslassen 

Kleine Probleme werden mit der Zeit immer größer, wenn wir sie nicht aktiv loslassen. Durch sie wird dann irgendwann unser Zugang zum Vagusnerv versperrt. Wie wir sie endgültig loswerden können? Die Sorgen auf einen Zettel schreiben, raus an einen schönen Ort gehen, das Blatt in ganz kleine Schnipsel reißen und vom Wind einfach wegwehen lassen. Wir fühlen uns sofort befreit und motiviert, stärken auf diese Weise auch unser Selbstbewusstsein.

Mehr Akzeptanz üben: Die eigene Einstellung ändern

Versuchen wir, folgenden Satz zu verinnerlichen: „Alles darf da sein!“ Das bedeutet nicht, dass uns alles, was um uns herum geschieht, in den Kram passen muss. Wir dürfen und sollen uns über Ungerechtigkeiten aufregen, natürlich auch dagegen angehen. Aber viel wertvoller ist es eben, sich auf unsere eigene Lebenseinstellung zu konzentrieren. So schaffen wir es, den Vagusnerv zu aktivieren, Abstand zu „Krafträubern“ zu gewinnen – und unsere eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.

Auf Freunde vertrauen: Neue Energie in geselliger Runde

Ein Abend mit Freunden schenkt ein Jahr Lebenszeit, sagen die Italiener. Mal wieder über alles in Ruhe reden oder einfach gemeinsam albern und ausgelassen sein – auch das stimuliert unseren Vagusnerv, gibt neue Energie und klappt mit guten Freundinnen immer. Wir sollten uns dafür regelmäßig Zeit nehmen.

Die Liebe feiern: Zu uns selbst und zu unserem Partner 

Streicheleinheiten, Nähe und Küsse sind wohl die schönste Art und Weise, die Liebe zum Partner zu feiern und gleichzeitig den Vagusnerv zu aktivieren. Denn im Rausch der Gefühle lassen wir automatisch allen Stress los, nehmen unseren Körper und den unseres Liebsten so intensiv und positiv wahr, wie nie. Wir sind ganz bei uns selbst, im inneren Einklang mit unserer Seele. Eine Wohltat, die wir viel öfter ganz bewusst genießen sollten.

Vagus-Meditation zum Ausprobieren

➺ Atmung

Bequem hinsetzen. Langsam ein und noch langsamer und betont ausatmen. Das gelingt am besten, indem Sie beim Ausatmen sanft summen, singen oder auch brummen. Diese Geräusche lassen Ihren Kehlkopf vibrieren, wodurch Ihr Vagus-Nerv aktiviert wird. Sie fühlen, wie Sie automatisch ruhiger werden und jede Anspannung verfliegt.

➺ Mantra 

Konzentrieren Sie sich beim Atmen auf einen positiven Satz (z. B. „Ich liebe und werde geliebt“), eine Liedzeile oder ein Bild. Sagen Sie sich Ihr frei gewähltes Mantra in Gedanken immer wieder vor bzw. rufen Sie sich das Bild immer wieder neu vor Augen. Spüren Sie dem Glücksgefühl nach, das es in Ihrem Herzen auslöst, speichern Sie es dort für sich ab.

➺ Augen

Schließen Sie die Augen, und fixieren Sie Ihre Augenlider von hinten. Zunächst ist alles schwarz, aber schon nach kurzer Zeit werden Sie Farben sehen, vor allem sanfte Gelbtöne, vielleicht auch etwas Rot, Blau und Grün. Dazu schwirren schwarze Punkte durch Ihr Blickfeld. Wenn Sie sich darauf konzentrieren, aktivieren Sie ebenfalls den Vagusnerv – und Sie spüren tiefe Entspannung.

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